Bereits seit langem spekulieren Physiker, ob es neben den uns vertrauten vier Grundkräften – Elektromagnetismus, starke Kraft, schwache Kraft und Gravitation – noch eine bisher unentdecke fünfte Naturkraft gibt.
Grund dafür sind öfters auftretende kleine Unstimmigkeiten zwischen Theorie und Beobachtung, anders ausgedrückt: die Natur scheint sich nicht immer an die von den Theoretikern aufgestellten Formeln zu halten. Also sind die Wissenschaftler gezwungen, ihre Theorien ständig zu überarbeiten, zu erweitern, zu korrigieren oder sogar zu verwerfen. Auch bereitet die Entdeckung, dass sich das Universum beschleunigt auszudehnen scheint, einiges Kopfzerbrechen. Veranwortlich gemacht dafür wird eine ominöse Dunkle Energie, über deren Natur so gut wie nichts weiß. (Manche Forscher halten die Dunkle Energie für eine Illusion und erklären die vermeintlche zunehmende Expansion des Universums als eine optische Täuschung, da die Materie im Raum ungleichmäßig verteilt sei – das sog. Schweizer-Käse-Modell.) Ferner gibt es Hinweise, dass gewisse Naturkonstanten möglicherweise doch nicht konstant sind und sich im Laufe der Milliarden Jahre leicht verändern.
Eine aus dem Jahr 2004 stammende Theorie der Forscher Justin Khoury und Amanda Weltman besagt, dass es zusätzlich zu den bekannten vier Fundamentalkräften noch eine fünfte gibt, mit deren Hilfe sich die ganzen Unstimmigkeiten erklären ließen. Die Tatsache, dass man von dieser fünften Kraft hier auf der Erde noch nichts gemerkt hat, wird dadurch erklärt, dass ihre Stärke von der Dichte der sie umgebenden Materie abhängig ist. Je weniger Material in einem Gebiet vorhanden ist, desto weitreichender soll diese neue Kraft sein, hier in unserer unmittelbaren kosmischen Umgebung soll sie nur etwa einen Millimeter weit reichen (ein Grund, warum sie bisher im Labor noch nicht entdeckt wurde), in weit entfernten Regionen des Universums, wo die durchschnittliche Materiedichte sehr gering ist, soll sie eine Reichweite von mehreren Millionen Lichtjahren haben. Von den beiden Wissenschaftlern wird diese postulierte fünfte Kraft als "Chamäleon-Kraft" bezeichnet. Sie vermuten, dass sie auf großen kosmischen Skalen einen negativen Druck – eine Art Antigravitation – erzeugt, der für die zunehmende Expansion des Universums verwantwortlich ist.
"Chamäleon-Kraft" heißt sie auch deshalb, weil sich ihre Überträgerteilchen in ihrer Natur verändern können. So soll sich ein Chamäleon-Teilchen manchmal in ein Photon umwandeln können und umgekehrt. Inzwischen wurden einige Experimente ersonnen, die auf dieser vermuteten Umwandlung beruhen, um im Labor die Existenz dieser fünften Kraft zu überprüfen
Anmerkung: Irgendwie bekommt man den Eindruck, dass sozusagen alle naslang eine neue physikalische Sau durchs Dorf getrieben wird und die Theorien wie Unkraut sprießen. Von einer wirklich umfassenden Theorie über die wahre Natur des Universums scheint man noch meilenweit entfernt zu sein. Was heute noch gültig ist, wird morgen schon wieder über Bord geworfen. Man kann gespannt sein, mit welcher Theorie als nächstes aufgewartet wird.
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